«Miini Fasnach  - diini Fasnacht»

 

Schwyz ist in fasnächtlicher Vorfreude. Aus doppeltem Grund. Nach einem Narren-Lockdown durch ein böses Virus kann es auf und um den Schwyzer Hauptplatz endlich wieder eine richtige Fasnacht geben. Zum anderen hat das grosse Fernsehen aus Zürich ein neues TV-Format namens «Mini Fasnacht – Dini Fasnacht» ins Leben gerufen und Schwyz als einen Austragungsort ausgewählt. Wer hat die schönste Fasnacht im ganzen Land lautet die Frage?

Die Schwyzer Maschgraden und Fasnächtler zeigen Einigkeit und wollen sich mit ihrem vielseitigen Brauchtum von der besten Seite zeigen. Am Dreikönigstag treffen sich alle Vereinsdelegationen an der Reichsversammlung der Japanesen im MythenForum. Während der Versammlung wird eine Live-Schaltung auf der Grossleinwand angekündigt und Schwyz als einer der kommenden Austragungsorte vorgestellt.

Die Freude ist jedoch von kurzer Dauer. Der schleimige Zürcher Moderator scheint wenig Respekt vor der Schwyzer Fasnachtstradition zu haben und macht einen billigen Witz nach dem anderen. Im MythenForum bereitet sich Unmut aus und als der Moderator zu guter Letzt verkündet, dass auf dem Schwyzer Hauptplatz am Güdeldienstag ein «Böggverbrennen für arme Leute» stattfindet, ist der Kessel geflickt. Die Güdeltschischtiger verlassen unter Protest den Saal und wollen die am Güdelmontag terminierte Live-Sendung nicht nur boykottieren, sondern sogar mit Schall und Rauch sabotieren. Nicht Züri, «Schwyz brännt!»

Roger Bürgler
Autor - Februar 2021

 

Gedanken zum Stück

Die Medien haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten radikal verändert. Nicht nur wegen dem Internet. Starker wirtschaftlicher Druck lastet auf den Verlagshäusern, die Inserate gehen zurück und mit Gratiszeitungen, privaten Radios und TV-Stationen ist der Markt enger geworden. Mit Fusionen ist auf der anderen Seite auch die Medienvielfalt stark eingeschränkt worden. Die Qualität der journalistischen Arbeit hat ebenso gelitten. Selbst grosse Medienhäuser – egal ob Print, Radio oder TV – arbeiten heute mit billigen Formaten. Effekthascherei zum einen – Volksverblödung zum anderen.

Und natürlich soll sich das Fasnachtsspiel um die Schwyzer Fasnacht drehen. Doch genau diese wird «Opfer» dieser medialen Entwicklung. Statt einer schönen Sendung, in der sich die Maschgraden der verschiedensten Schwyzer Vereine präsentieren, droht alles eine dilettantische, schlecht recherchierte und von einem arroganten Moderator schäbig präsentierte Show zu werden. Das lassen sich die Schwyzer nicht gefallen.

Vorproduzierte Video-Szenen, Pyrotechnik, eine fulminante Lichtshow mit Soundeffekten und natürlich wieder überraschende Musik inklusive Choreinwürfen, Tanz und starken wie skurrilen Figuren sollen grosse Wirkung erzielen. Subtiler dann die Dialoge, der Sprachwitz mit vielen Seitenhieben und Verweisen auf das aktuelle Geschehen in Schwyz und darüber hinaus.

Eine närrische Mediensatire!

 

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